Fairer grüner Wasserstoff – Chance oder Chimäre in Marokko, Niger und Senegal?

Projekthintergrund

Der seit einigen Jahren zunehmende „Hydrogen Hype“ führt derzeit zu Diskussionen dazu, woher der Wasserstoff importiert werden soll, der für eine rasche und ambitionierte Dekarbonisierung „entwickelter Länder“ In einer Welt, in der sich die drohende Klimakrise immer mehr zu einer planetarischen Krise ausweitet, wird die Entwicklung einer nachhaltigen und sauberen „Wasserstoffwirtschaft“ als unabdingbar angesehen, wenn die Welt die Hoffnung aufrechterhalten will, die globale Erwärmung auf 1,5°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Viele Länder streben eine „kohlenstoffneutrale“ Gesellschaft und Wirtschaft an – Deutschland zum Beispiel hat sich dieses Ziel für 2045 gesetzt. Neben (1) dem Ausstieg aus fossilen Energieträgern, (2) dem Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung und (3) der Steigerung der Energieeffizienz ist der Aufbau (4) einer Wasserstoffinfrastruktur als Weg zur Nutzung von Ökostrom in Sektoren und Branchen, in denen bisher fossile Energieträger in stofflichen Prozessen eingesetzt werden (z.B. Reduktion in der Stahlproduktion), in denen eine direkte Elektrifizierung kaum möglich ist (z.B. Luft- und Seeverkehr), sowie als kohlenstofffreier Energieträger in Hochtemperaturprozessen und zur späteren Rückumwandlung in Elektrizität in der Dunkelflaute und als Speichermedium geplant ist.

Zusammenfassung

Bislang dreht sich die Diskussion über Wasserstoff hauptsächlich um die technischen Aspekte einer raschen Ausweitung der weltweiten Produktion von grünem Wasserstoff, wobei die potenziellen sozialen und ökologischen Herausforderungen, die mit diesem (gar nicht so) neuen Energieträger verbunden sind, weitgehend außer Acht gelassen werden. Der Aufbau einer neuen globalen Infrastruktur und eines völlig neuen Zweigs des globalen Energiesektors in Form eines Wasserstoffrauschs bietet jedoch nicht nur eine globale wirtschaftliche Chance, sondern birgt auch ein erhebliches Risiko, dass die Entwicklungsländer entweder ins Abseits gedrängt werden oder sich die negativen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Erfahrungen wiederholen, die in der Vergangenheit mit der Rohstoffindustrie und der Ausbeutung fossiler Energieressourcen verbunden waren. Das Risiko eines „grünen Kolonialismus“ muss bedacht und in Betracht gezogen werden.